Zur Arbeitsweise:


Mit 20 hatte ich Anfang der 80er Jahre meine Ausbildung in der Sowjetunion abgeschlossen. Mit den drei Leitprinzipien des Sozialistischen Realismus (Pateitreue (Partijnost), Präsentation der richtigen Ideologie (Idejnost) und Volksnähe (Narodnost)), denen auch meine Arbeit folgen sollte, konnte ich nicht viel anfangen.

Ich habe mich daher für die Angewandte Kunst entschieden, da ich auf diesem Gebiet mich freier fühlte, und mit Erfolg als Textilkünstlerin bis 1998 gearbeitet. Mit dem Ende der Sowjetunion und der Öffnung Kaliningrads für das Ausland war der Sozialistische Realismus als offizieller Stil des Staates Vergangenheit. Die Einschränkungen der künstlerischen Freiheit lösten sich auf und auf einmal war die Textilkunst mit ihren traditionellen Ausdrucksformen für mich nicht mehr stark genug, neue Themen und Gefühle künstlerisch zu verarbeiten.

1996 erhielt ich zum ersten Mal eine eigene Ausstellung in der Kaliningrader Gemäldegalerie, in der ich Textilwerke zusammen mit Collagen und Graphiken zeigen konnte.

Eine weitere eigene Ausstellung 1999, "Agnes und Anna", im Deutsch-Russischen Haus zum Thema "Agnes Miegel und Anna Achmatowa", setzte sich bereits überwiegend aus Malerei und Collagen zusammen.

In Deutschland habe ich für mich dann auch die Acrylfarben entdeckt. Meine Kenntnisse klassischer Maltechniken haben mir geholfen , neue Malmittel durch experimentelle Erprobungen zu beherrschen. Meine  Vorstellung von Acrylfarben als Klebe- und Konservierungsmittel "verrückter Künstler aus den 60-70er Jahren" hat sich radikal geändert. Geschichte und Tempo der Entwicklung der Acrylfarben als modernes Medium faszinieren mich. Seit 2004 arbeite ich überwiegend mit Acrylfarben und Acrylhilfsmitteln auf Leinwand, Papier, Papyrus oder Holz. In den unteren Schichten benutze ich oft Temperafarben und Ölpastelle. Das ist auch der Grund, warum ich  die Bildertechnik als Mischtechnik bezeichne.

 

Elena Steinke, 23. Juni 2006, Breklum

 


 

 

 

Künstlerische Sommerakademie 2013


Expressionismus und Moderne

Ostpreußisches Landesmuseum Lüneburg

 

Als vor 100 Jahren der Begriff „Expressionismus“ Eingang in die Kunst fand, war der expressionistische Ausdruckswille eines Künstlers - unabhängig vom herrschenden Malstil oder von konformistischer Malweise - in der Kunstgeschichte längst eine Tatsache. Die Werke aus den späteren Lebensphasen von Feofan Grek (1340-1410), El Greco (1541-1614) oder Goya (1746-1828) sind ein überzeugender Beweis dafür. In der Tat erweist sich der Expressionismus als farbenprächtiger Ausdruck des Lebensgefühls eines Künstlers aus einer inneren Notwendigkeit heraus, die mit seinem Leben und seinen Gefühlen eng verbunden bleibt.

 

Unsere Sommerakademie „Expressionismus und Moderne“ haben wir mit einem Blick in die Kunstgeschichte begonnen. Es wurden Parallelen in Leben und Werk von Vincent Van Gogh (1853-1890), Paul Gauguin (1848-1903) und Edvard Munch (1863-1944) angesprochen. Hervorgehoben wurde die expressionistische Tendenz in der Kunst zu Beginn des 20. Jahrhunderts und die geistigen Verbindungen und Einflüsse auf das Werk von Karl Eulenstein. Eine Führung durch die Ausstellung „Das Erleben des Elementaren. Der Expressionist Karl Eulenstein“ half den Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Sommerakademie, ihren persönliches Zugang zu den Werken von Karl Eulenstein zu finden. Die Bilderpräsentation der entstandenen Werke am letzten Tag unserer Sommerakademie im Ausstellungsraum hat dieses sichtbar gemacht.

Um dem Anspruch einer künstlerischen Sommerakademie gerecht zu werden, legte der Unterricht großen Wert auf die Maltechnische Ausführung. Die schon erfahrenen Künstler und die, die ihre ersten Schritte in der Malerei wagten, wurden professionell von der Künstlerin und Dozentin Elena Steinke angeleitet.

Nach einem Motto von Henri Matisse (1869-1954): „Wenn ich grün male, ist nicht Gras gemeint; wenn ich Blau male, ist nicht Himmel gemeint“ wurde eine Farbpalette mit den drei Grundfarben in Rot, Blau, Gelb zusammengestellt und in Verbindung mit Schwarz und Weiß bewusst expressiv umgesetzt.

So entstanden unter anderem Bilder wie „Rote Kuh“ (Doris Paland) oder „Mutter und Kind“ (Shashikala Voegeli-Paranjpe), deren leidenschaftliche Farben und beunruhigende, lineare Rhythmen ihre Sympathie und das Verständnis für den Expressionismus verraten.

 

Ich glaube, dass der Expressionismus bis heute eine prägende Kraft unseres Zeitgeistes ist und dass die mit der Aureole (Glorienschein) des Expressionismus neugeschaffenen zeitgenössischen Werke des 21. Jahrhundert nicht als Reaktion auf Nachfragen des Kunstmarktes, sondern aus innerer Notwendigkeit ihrer Schöpfer entstanden sind.

Elena Steinke, 17. Juli 2013 Breklum